Segeln Italien

Meilentörn entlang der italienischen Ostküste

Wir sind wieder unterwegs! Begleitet uns virtuell bei unserem Meilentörn entlang der italienischen Ostküste Richtung Süden. Wie Ihr ja alle wisst, verbringen wir seit ein paar Jahren unsere Segelsommer mit unserer Segelyacht NAMBAWAN in Griechenland. Die letzten zwei Jahre sind wir dabei von unserem Dauerliegeplatz in Lignano stets die kroatische Küste entlang gegen Süden aufgebrochen. Dieses Jahr wollten wir wieder mal die 0,2 bis 0,5 Knoten starke Oberflächenströmung entlang der italienischen Küste Richtung Südosten nutzen und haben dabei viele uns bisher unbekannte Schönheiten der italienischen Ostküste samt ihren vorgelagerten Inseln kennengelernt. Hier aber alles schön der Reihe nach…

Samstag, 11.06. von Lignano Aprilia Marittima hinaus in die Lagune

Nachdem meine Crew für diesen zweiwöchigen Ausbildungs- bzw. Meilentörn am Nachmittag angereist und ihre Kojen bezogen hatte, nutzten wir eine Regen- und Gewitterpause zum Ablegen. Zum Warming up bzw. Aklimatisieren und Eingewöhnen am Boot hatten wir nur eine sehr kurze Strecke vorgesehen. Es ging die Dalbenstraße entlang zu unserem Ankerplatz in der Lagune von Marano…
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Dort angekommen, ließen wir den Anker fallen und fuhren ihn gut ein. Anschließend machten wir in Ruhe die Schiffseinweisung. Es dauerte nicht lange, bis der nächste Regenguss aufs Deck prasselte…
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Unser Jambo-Anker hielt wie gewohnt gut und so konnten wir das Naturschauspiel gelassen vom Salon aus betrachten. Mit einem guten Fischgericht und einem dazupassenden Weißwein ließen wir den ersten Tag an Bord gemütlich vor Anker ausklingen…
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Sonntag, 12.06. von Lignano nach Venedig

Schon bei Morgengrauen standen wir wieder auf und gingen bereits um 6:35 Uhr Anker auf um die 40+ sm bis Venedig bis zum Nachmittag zu schaffen. Leider hatten wir sehr wenig bis gar keinen Wind, dafür noch eine alte Dünung querab, die einem Teil meiner Crew nicht sonderlich behagte. Daher motorten wir die Strecke, um halbwegs stabil voran zu kommen. Die bereits legendäre Sightseeingtour durch Venedig war dann wohl das Highlight des Tages. Hier ein paar Bilder davon…
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Danach legten wir in der neu errichteten Marina Santelena an. Während die Crew im Anschluss einen Stadtspaziergang in die Innenstadt machte, erledigte ich noch ein paar Kleinigkeiten am Boot. Zwischendurch regnete es wieder wie aus Eimern, sodass wir eine Regenpause fürs gemeinsame Treffen in der nahe gelegenen Pizzeria abwarten mussten. Dort gab es eine gute Pizza zu fairen Preisen…
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Montag, 13.06. „Non-Stop Meilentörn“ von Venedig zu den Tremiti-Inseln

Meine Crew wollte das Langfahrtfeeling am eigenen Leib erfahren, daher nahmen wir uns die Tremiti Inseln als nächstes Etappenziel vor. Zu Beginn ließ der Wind durch die Dalbenstraße nach Chioggia leider wieder mal zu Wünschen übrig. Trotzdem ist diese Strecke immer wieder schön zu befahren, wie Ihr an den Bildern sehen könnt…
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Erst nach der Ausfahrt von Chioggia kam leichter Segelwind auf. Von da an arbeiteten wir uns gegen den Wind Richtung Südosten. Wir versuchen generell die Strecke von Lignano nach Korfu bzw. retour in einer guten Woche zurückzulegen, was in der Regel eine oder zwei längere Etappen von 1-2 Tagen non-stop Segeln bedeutet, um dabei möglichst viele Meilen unter Segeln zu machen. Die erste Nacht war ein ziemlich relaxtes Segeln bei Leichtwind unter Mondlicht und ruhiger See.

Dienstag, 14.06. Meilentörn entlang der italienischen Ostküste

Am nächsten Tag wurde es etwas anspruchsvoller, als wir auf Höhe Ancona eine Gewitterfront durchquerten. Dabei näherten wir uns auch wieder mal dem Festland, um neue Wetterdaten aus dem Internet laden zu können und eine sichere Positionsmeldung über AIS an unsere Daheimgebliebenen senden zu können. Natürlich musste auch ein Update auf unserer Facebook Seite gepostet werden. Hier ein paar Impressionen vom Meilentörn entlang der italienischen Ostküste…
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Seit über 24 Stunden hatten wir den Wind bereits direkt auf die Nase. Er hat am zweiten Reisetag mittags bloß einmal für ein paar Stunden auf achterlich gedreht, was wir sofort nutzten, um den Wingaker zu setzen. Danach ging es mit sehr wechselhaften Winden weiter. Durch den oftmaligen Südwind mussten wir dieses Jahr bis zu den Tremiti Inseln leider oft aufkreuzen oder hart am Wind segeln und hatten dadurch auch eine durch Wind und Schwell bedingte Oberflächenströmung gegen an. Also wieder mal nichts mit geschenkten Meilen durch eine mitlaufende Strömung wie geplant!

Nach genau 288 geloggten Seemeilen über Grund sind wir nach zweieinhalb Segeltagen gut und bester Laune auf den Tremiti Inseln angekommen.
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Nachdem für die nächsten zwei Tage Starkwind angesagt war, machten wir in Lee der Insel Cretaccio an einer massiven Boje fest. Hier die Wettervorhersage von Wetteronline…
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Am Abend hatten wir dann noch einen Landgang auf San Domino gemacht. Links im Bild, hinter der Insel Cretaccio, sieht man unsere SY NAMBAWAN an der Ankerboje schwojen…
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Donnerstag, 16.06. Wetterbedingter Ruhetag auf den Tremiti Inseln

Die angesagten 40 Grad Celsius hatte es Gott sei Dank am nächsten Tag nicht erreicht, aber der Südostwind wehte dafür mit über 30 Knoten schon ganz heftig. Wir waren jedenfalls über die Entscheidung einen Ruhetag einzulegen, und nicht gegenan zu kreuzen, alle recht froh. Vor allem sind die im deutschsprachigen Raum eher unbekannten aber durchaus sehenswerten Tremiti Inseln echt eine Besichtigung wert.

Hier ein kleiner Vorgeschmack. Ich werde zu den Tremiti Inseln noch einen gesonderten umfangreichen Blogartikel erstellen.
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An der Luvseite der Insel baute sich eine ganz schöne Brandungswelle auf, wie man am vorletzten Bild gut sehen kann. Wir hingen also zwei Nächte gut geschützt an der Leeseite der Insel an einer Boje, ohne dass – wie wir es aus kroatischen Gewässern gewohnt sind – ein Kassier kam. Die Besichtigung der Festung war auch kostenlos. Und wir fanden auch das Preis-/Leistungsverhältnis in den Lokalen sehr in Ordnung. Die Einheimischen waren übrigens auch alle sehr freundlich und hilfsbereit. Daher hatten wir diesen kleinen und unscheinbaren Archipel alle einstimmig ins Herz geschlossen.

Freitag, 17.06. vom Tremiti Archipel nach Vieste

Ab den Tremiti Inseln ging es in schönen Tagesschlägen südwärts. Der Wind hatte inzwischen wieder nachgelassen, und wir konnten mit stark gerefften Segeln einen Amwindkurs von 110 Grad (das war der Sporn von Italien) anlegen. Mit über 7 Knoten Fahrt durchs Wasser ging es gut dahin – ein Träumchen, wie manche Segelfreunde von mir sagen würden 😉
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Die 35 sm bis Vieste hatten wir bereits am frühen Nachmittag heruntergespult, und wir konnten im Hafen von Vieste einen Platz in der nur halbvollen Marina auswählen. Vieste ist unserer Meinung nach immer einen Stopp wert. Vor allem die historische Altstadt lädt zum Verweilen ein. Hier können auch die Bordvorräte gut aufgestockt werden und die Liegeplatzgebühren in der gut geschützten und sicheren Marina sind unserer Meinung nach ihren Preis wert. Um die 45 EUR für Liegeplatz inkl. Strom und Wasser ist gegenüber den 85 EUR von Venedig ein Schnäppchen.

Hier ein paar Stimmungsbilder von unserem Vieste Stadtspaziergang
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Samstag, 18.06. von Vieste nach Trani

Einen gemütlichen Tagesschlag weiter ging es nach Trani. Dabei hatten wir einen Biss auf unserer Schleppangel. Leider war der Fisch zu groß und kräftig und riss uns die eigentlich sehr stark dimensionierte Angelleine ab.
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Eigentlich sind hier in Apulien alle Marineros sehr hilfsbereit. Nur in Trani herrschte eine etwas eigenwillige Stimmung im gesamten Marinagelände: durch die Bank alle mürrisch und wenig kooperativ. Mit diesem Eindruck sind wir nicht alleine, andere befreundete Fahrtensegler haben dies ebenfalls wahrgenommen und bestätigt. Trotzdem liegt man hier in der Marina direkt im Stadtzentrum ganz gut und sicher. Hier wieder ein paar Impressionen vom Tag…
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Sonntag, 19.06. von Trani nach Monopoli

Nachdem es am Sonntagvormittag regnete, konnten wir uns mal genüßlich ausschlafen und danach gemütlich an Bord brunchen. Erst kurz vor Mittag legten wir ab und segelten 48 sm weiter Richtung Südosten, wo wir längsseits in Monopoli an der Hafenmauer anlegten. Von dort spazierten wir in die dahinterliegende Altstadt. Diese Stadt haben wir alle sofort ins Herz geschlossen. Alles sehr gepflegt, sehr nette romantische kleine Restaurants und Bars, Minimarkets mit Brot, Obst- und Gemüsetheke, alle sehr nett und überaus freundlich. Das Anlegen an der Hafenmole längsseits war übrigens kostenfrei! Wie immer ein paar Stimmungsbilder…
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Montag, 20.06. Meilentörn von Monopoli non-stop nach Erikousa in Griechenland

Nachdem wir am Vorabend wieder einmal alle einstimmig den Ort Monopoli ins Herz geschlossen hatten, habe ich am nächsten Tag gleich nochmals in aller früh eine weitere Erkundungstour unternommen…
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In der Zwischenzeit hatte der Wind endlich auf Nord gedreht, und den wollten wir für ein schnelles und entspanntes Segeln nutzen. So legten wir bereits um 09:15 Uhr von der Stadtmole in Monopoli ab und segelten mit achterlichem Wind der Küste entlang.
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Brindisi und Otranto wären zwei weitere mögliche Tagesetappen entlang der Küste gewesen. Wir nutzten aber das Wetterfenster und ritten mit Rumpfgeschwindigkeit direkt nach Griechenland, wo wir nach 21 Stunden bzw. 124 sm perfekten Segelns mit achterlichen Winden den Anker in der Bucht vor Erikousa fallen ließen. Hier ein paar Impressionen von der genialen Überfahrt mit Mondlicht…
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Schon bei Sonnenaufgang erreichten wir die nördlich von Korfu liegenden griechischen Inseln…
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erikousa-bei-sonnenaufgang

Anstelle des obligatorischen Anleger-Biers nahmen wir um die Uhrzeit lieber einen Anleger-Kaffee, bevor wir uns müde aber zufrieden in unsere Kojen zurückzogen. Mit mehreren absolut empfehlenswerten Landerkundungen haben wir es heuer in 10 Tagen bzw. nach 586 sm von der Nordadria bis nach Griechenland geschafft.

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Markus

Markus

Ich bin leidenschaftlicher Fahrtensegler, Blogger, freiberuflicher Yachtredakteur und Fotograf mit über 25.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser. Segle als Ausgleich und Quelle der Inspiration.
Details zu meiner maritimen Ausbildung und Reviererfahrung findet Ihr hier...

2 Comments

  1. Claudia
    20. September 2016 at 20:23 — Antworten

    Ich war bei diesem Törn mit von der Partie und bin nach wie vor schwer begeistert.
    Die Tremiti-Inseln aber auch die Städte Vieste, Trani und Monopoli kannte ich nicht und hätte ich auch ohne diesen Törn nicht kennengelernt. Besonders Monopoli hat mein Herz im Sturm erobert 🙂
    Toll war auch Venedig von der Seeseite aus!
    Die Nachtfahrten waren ebenfalls Erlebnisse für sich. Von rauer See (Überfahrt nach Griechenland – uiuiui) bis zum herrlichen Mondscheinsegeln war die gesamte Palette dabei.
    Großes Dankeschön an Markus, der uns Punkto Segeln, Seemannschaft und Bootsführung einiges beigebracht hat und auch sehr geduldig war! Kulinarisch konnte er uns ebenfalls sehr überzeugen – leider hatten wir kein Anglerglück 😉
    Dieser Törn war für mich eine super Mischung zwischen Segel-, Entdeckungs- und Badeurlaub! Ich persönlich konnte mich total „entschleunigen“ und entspannen, aber auch segeltechnisch wieder was dazu lernen – so soll Urlaub sein!

    • 21. September 2016 at 08:23 — Antworten

      Hey Claudia, danke für dein positives Feedback zum Törn. Ihr wart aber echt auch eine super Crew, so wie man es sich als Skipper wünscht! Danke nochmals für die schöne gemeinsame Zeit an Board! Gerne entdecke ich weitere Küstenabschnitte mit Euch im nächsten Jahr!

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