Segeln in GriechenlandSegeln Ionisches Meer

„Dieseldiebstahl“ auf unserer Segelyacht

Am Nachmittag sind wir mit gutem NW-Wind in die 27 Seemeilen entfernte Bucht Port Leone / Insel Kalamos gesegelt. Abwechselnd mit Amwind oder Halbwindkurs – das war wieder einmal ein traumhaft schöner Segeltag im ionischen Meer! Nachdem die Wassertiefe in der verlassenen und ausgestorbenen Ortschaft Port Leone rasch zunimmt, ankert man dort am besten mit Buganker und Landleine. Wie man sieht, befanden sich schon einige andere Yachten am Ankerplatzporto-leone-ankerbucht

Italienische Bootsnachbarn lernten mir dann noch das Ernten und Ausnehmen von Seeigeln. Ich testete im Anschluss gleich das delikate Innere des Seeigels. Wie so ein roher Seeigel schmeckt ist schwer zu beschreiben. Salzig und ähnlich wie Muscheln würde ich jetzt mal sagen. Ich habe es mir jedenfalls fest vorgenommen, in naher Zukunft mal als Vor- oder Hauptspeise für meine Crew so ein Gericht aus dem Meer zu zaubern.

Nachdem Monika von meiner neuen kulinarischen Entdeckung nicht so begeistert war, überließ ich ihr die Pantry und relaxte inzwischen im Cockpit. Gemütlich verbrachten wir den restlichen Abend an Bord…

Freitag, 15.08. / Maria Himmelfahrt
Zu Sonnenaufgang über der Insel Kastos wurde ich wach. Es war noch alles ruhig am Ankerplatz, als wir uns an Land zur Inselerkundung aufmachten…
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Wir haben uns dann abwechselnd im Lauf- und Wanderschritt Richtung Kalamos Hauptort / Hafen begeben. Gut, dass wir so früh gestartet waren, denn die Morgensonne brannte schon mit voller Kraft in den Hang hinein. Die super Aussicht am Weg zum Inselhauptort war aber mehr als belohnenswert…kalamos-ankerbucht-porto-leone

Im Hauptort Kalamos gönnten wir uns in einer kleinen einheimischen Kaffeebar einen Café-Frappé und eine große Flasche Wasser für den Weg retour, die wir dann auch am immer heißer werdenden Rückweg dringend benötigten…kalamos-inselwanderung

Als wir wieder in der Geisterstadt Port Leone ankamen, war gerade der Maria Himmelfahrt Gottesdienst in der Endphase, und auch wir bekamen von den Einheimischen ein Stück von dem geweihten Brot…maria-himmelfahrt-porto-leone

Hier sieht man unseren Lauf- bzw. Wanderweg in die Inselhauptstadt Kalamos und retour. Jetzt hatten wir uns ein kühles Bad und einen ausgiebigen Brunch verdient…kalamos-insel-wanderweg

Am Nachmittag sind wir dann wieder weitergesegelt, ins 20 Seemeilen nordwestlich gelegene Nydri auf der Insel Lefkas. Wir mussten zwar den großteil der Strecke aufkreuzen, doch das machte uns nichts aus…

Am Weg dorthin begegneten wir Martin Hammer mit seiner ANIMA IV, einem sehr sympatischen österreichischen Weltumsegler, den wir in den letzten Wochen schon mehrmals trafen…anima-IV-martin-hammer

Wir ankerten im Anschluss in der gut geschützten Vlychon Ankerbucht. Hier liegt man zwar wirklich sehr sicher und ruhig ohne Schwell, die Wasserqualität und das Umfeld haben uns aber nicht wirklich begeistert. Am Abend spazierten wir zwar noch ein wenig im Hinterland herum, fanden aber keine weiteren nennenswerten Highlights.

Samstag, 16.08.
Nachdem wir am Vorabend wieder mal früh schlafen gingen, starteten wir zeitig in der Früh in unsere letzte gemeinsame Segelwoche dieses Sommers. Heute wollen wir nochmals in den Ambrakischen Golf segeln, da wir den dort vorherrschenden sanften Tourismus, die freundlichen Einheimischen und die intakte Unterwasserwelt lieben gelernt haben. Damit wir aber auch wieder einen neuen Ort erkunden können, wollten wir diesmal in Menidion im Nordosten des Ambrakischen Golfs übernachten. Dazu konnten wir die gesamte Strecke bis auf den Lefkas-Kanal unter Segeln zurücklegen. Leider stand ziemlicher Schwell durch den WSW-Wind am Ankerplatz, sodass wir nach ungefähr einer halben Stunde doch wieder Anker auf gegangen sind und bei gut 30 Knoten Wind wieder retour gesegelt sind. Dazu mussten wir aufkreuzen…am-steuer-ambrakischer-golf hart-am-wind-ambrakischer-golf

Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichten wir den uns gut bekannten Ort Vonitsa. 60 Seemeilen hatten wir heute zurückgelegt, davon 56 sm unter Segeln und nur die 4 sm lange Distanz des Lefkas-Kanals unter Motor. Schnell sprengen wir vor dem Einsetzen der Dunkelheit noch ins Wasser, um uns das Salz von der Gischt aus den Haaren zu waschen.segeltoern-track-ionisches-meer

Im Dunkeln fuhren wir dann mit unserem Dingy an Land und aßen abermals gut bei unserem Stammwirten des Ortes eine obligatorische Gyros-Pita. Müde und zufrieden von dem super Segeltag verholten wir uns danach bald in unseren Kojen…

Sonntag, 17.08.
Es war wie erwartet wieder eine ziemlich laute Nacht – die Griechen feiern einfach gerne, lang und laut! Wir starteten an diesem Sonntagmorgen wieder mit einem Laufausflug. Diesmal zuerst hinauf auf die recht gut erhaltene venezianische Burg, die man am u.a. Bild im Hintergrund erkennen kann…vonitsa-anaktorio

Hier ein paar Impressionen von unserem morgentlichen Laufausflug…vonitsa-burgbesichtigung vonitsa-joggen vonitsa-burgbesichtigung-mit-nambawan

Im Anschluss wollten wir zu dem nahegelegenen Strand fahren und dort den ganzen Tag über relaxen – einfach mal nichts tun stand auf der Tagesordnung. Darauf habe ich mich schon seit Wochen gefreut! Für die Wegstrecke von ca. 1 Seemeile wollten wir auch nicht die Segel setzen. So motorte ich Richtung NW, während Monika das Frühstück und Heißgetränke in der Pantry zubereitete. Plötzlich merkte ich, dass unsere Dieseltank-Anzeige im roten Bereich, also leer, anzeigte! Laut unseren gefahrenen Motorstunden seit dem letzten Tankvorgang müsste unser 160-Liter Tank noch mindestens 3/4 voll sein. Also stellte ich sofort den Motor ab und versuchte den Dieseltank mittels Klopfzeichen auf Füllstand zu kontrollieren. Der Niro-Dieseltank hörte sich komplett leer an. Ein eingebautes Schauglas gibt es leider nicht, um sich Gewissheit zu verschaffen. Somit entschieden wir spontan, nochmals nach Vonitsa zurück zu segeln und dort unter Segeln das Ankermanöver durchzuführen. Irgendjemand musste uns entweder gestern Abend, während wir Abendessen und auf ein Eis waren oder heute während unseres Morgenlaufes Diesel abgezapft haben.

Das Ankermanöver unter Segeln funktionierte gut, daraufhin montierten wir den Außenborder auf das Dingy und fuhren mit unserem leeren Dieselkanister an Land. Monika sollte dabei in der Nähe des Hafens bleiben um mögliche weitere Dieseldiebe von Land aus stellen zu können. Ich machte mich zu Fuß auf den Weg zur Tankstelle im Landesinneren. Einem in der Stadt begegnenden Polizisten schilderte ich aufgeregt meine Dieseldiebstahl-Story in Englisch. Leider verstand der ältere Staatsdiener kein Englisch und wollte mit der Sache auch nichts zu tun haben. Der freundliche Tankwart meinte später, dass so etwas leider immer öfter vorkommt, da die Fischer vorort immer weniger Fische fangen und oft gar nicht mehr den Sprit fürs Hinausfahren verdienen können. Da die Tankstelle ca. 1 km vom Dingy entfernt war, half mir der Tankwart einen Chauffeur für den Weg retour mit dem schweren Kanister zu organisieren. Es dauerte nicht lange, bis er einen bekannten Burschen mit Mopet bat, mich mitsamt Dieselkanister zum Hafen zu fahren. Von dort ging es dann wieder per Dingy hinaus auf den Ankerplatz. Der Diesel wurde mit Trichter in den Haupttank gefüllt und so wiederholte ich das ganze Spiel dreimal. In der Zwischenzeit war es schon Mittag und extrem heiß, und es fand sich immer schwerer ein Chauffeur für den Weg retour zum Hafen. Als ich dann aber den dritten Kanister in unseren Haupttank einfüllte, war der Tank inkl. Einfüllstutzen randvoll. D.h. es hat uns doch keiner der fälschlich vermuteten einheimischen Fischer einen Sprit entwendet, sondern es war nur der Diesel-Füllstandsanzeiger kaputt gegangen.

Jetzt waren wir einerseits froh und erleichtert, dass uns die in den letzten Wochen in dieser Gegend so lieb gewonnenen Einheimischen doch nicht bestohlen hatten, andererseits schämten wir uns, dass wir das Gerücht des Dieseldiebstahls im Ort verbreiteten, ohne dass es stimmte!

Voller Hunger und erledigt von den physischen und psychischen Strapazen motorten wir erneut in die nahegelegene Bucht und genossen den verbliebenen Nachmittag in der idyllischen Buchtvonitsa-badebucht

Am Abend sind wir dann noch mit dem Dingy zur Strandtaverne gefahren und haben bei einem guten griechischen Essen die vermeintliche Dieseldiebstahl-Story nochmals aufgearbeitet…nambawan-ambrakischer-golf

Sensibilisiert von diesem Vorfall wollen wir einen versperrbaren Dieseleinfüllstutzen oder einen sogenannten Vetus Fuelsave nachrüsten.

Empfohlene Revierführer und Seekarten für das ionische Meer

Wir haben so ziemlich alle gängigen Hafenhandbücher und Revierführer vom ionischen Meer. Folgende Literatur der Region verwenden wir persönlich gerne und können sie Euch auch guten Gewissens weiterempfehlen…

Hafenguide Griechenland 1* von Per Hotvedt, beinhaltet folgende Seegebiete: Albanien, Ionisches Meer inklusive Peloponnes, Golf von Korinth, der Küste von Athen einschließlich des Saronischen Golfs. Der sehr umfangreiche Hafenguide ist zwar teuer aber sein Geld wert. Durch die Luftaufnahmen aller beschriebenen Häfen und Ankerbuchten und die dazugehörenden Hafenpläne weiß man vorher schon genau, ob der angestrebte Ort auch den Wünschen der Mannschaft entspricht.

Charterführer Ionisches Meer* von Andreas Fritsch, beinhaltet das Revier von Korfu bis nach Zakynthos. In mehreren Routenvorschlägen werden die Highlights der Gegend und alle wichtigen nautischen Informationen zu Häfen und Ankerplätzen in kompakter Form dargestellt. Ideal für SeglerInnen, die sich in kurzer Zeit einen Überblick über das Revier verschaffen wollen.

Seekarten* von Imray für das Ionische Meer. G11, G12, G121, G15 und G16 sind bei uns alle als Backup neben den elektronischen Seekarten am Schiff vorhanden.

Empfohlene Yachtcharter Agentur im ionischen Meer

Im ionischen Meer kann man entweder in Korfu (Gouvia Marina) oder im Großraum Lefkas Yachten chartern.

Master Yachting* gehört zu den führenden deutschsprachigen Yachtbrokern und bietet weltweit eines der umfangreichsten Yachtcharterangebote für Segelyachten, Katamarane und Motoryachten an. Wir haben früher selbst oft bei Master Yachting unsere Boote gechartert und können Euch daher deren Service wärmstens empfehlen. In mehr als 30 Revieren und in über 20 Ländern der Welt umfasst das Angebot derzeit ca. 9.000 Yachten – von der 24 Fuß Segelyacht bis hin zum 60 Fuß großen Luxuskatamaran mit Crew.
Neben dem klassischen Bareboat-Charter bietet Master Yachting auch Flottillen, Regatten und Crewed-Charter mit Skipper, Koch und Hostess an.

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Markus Silbergasser

Markus Silbergasser

Ich bin leidenschaftlicher Fahrtensegler, Blogger, freiberuflicher Yachtredakteur und Reisefotograf mit über 36.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser. Segle als Ausgleich und Quelle der Inspiration.
Details zu meiner maritimen Ausbildung und Reviererfahrung findet Ihr hier...

6 Comments

  1. Beat
    15. Mai 2015 at 15:24 — Antworten

    Könntest Du wenigstens das Wort „Dieseldiebstahl“ im Titel in Anführungszeichen setzen?
    Danke

    • 16. Mai 2015 at 13:14 — Antworten

      Gute Idee – habe ich gleich umgesetzt 😉

  2. hi
    29. März 2016 at 18:18 — Antworten

    Schreib lieber „typisch deutsch“ und „ausländer beschuldigen“

    • 30. März 2016 at 13:29 — Antworten

      Hab ja eh geschrieben, dass wir uns schämten, die Einheimischen fälschlicherweise zu beschuldigen.

      Ich war aber dafür letztes Jahr schon wieder Vorort und habe versucht, den Tourismus ein wenig zu beleben…

      Werde auch heuer die Gegend wieder aufsuchen, wenn es in den Törnplan passt.

  3. Clemens
    10. Juni 2016 at 13:07 — Antworten

    Wir fahren nun seit 15 Jahren teilweise mehrmals pro Jahr nach Griechenland und gehen dort schon eher von „Tourista“ Richtung „Xenos“, auch aufgrund der immer besser werdenden Sprachkenntnisse.
    Diebstahl war aber, egal ob in der Ägäis, auf Kreta oder im und am Ionischen Meer noch nie ein Thema.
    Im Gegenteil, wir fühlen uns in Griechenland ausgesprochen sicher.
    Probleme mit Diebstahl gab und gibt es höchsten in Gegenden mit vielen Einwanderern (auch schon vor der Flüchtlingskatastrophe), die waren aber bisher kaum zu finden. 😉
    Ich habe den Eindruck gewonnen, dass der Grieche zwar gern und ausgiebig seinen Staat besch**sst, aber ansonsten zu stolz und zu ehrlich ist um zu stehlen.

    Danke jedenfalls für den schönen Bericht. Kenne den Amvrakischen Golf nur von der ‚Landseite‘, da kam mir aber vor, dass der stellenweise schon arg seicht ist. …

    • 10. Juni 2016 at 17:30 — Antworten

      Clemens, auch wir fühlen uns in Griechenland immer sehr sicher. Ab Morgen machen wir uns wieder auf den Weg ins ionische Meer. Freuen uns schon, wieder viele neue Buchten und Inseln zu erkunden…

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