Segeln Italien

FB 3 Praxisprüfung auf der SY Nambawan erfolgreich abgelegt

Nach dem Eintreffen von Stefan und Norbert (den beiden FB 3 Prüflingen) gingen wir Abendessen ins nahegelegene Restaurant Ippolito. Dort immer wieder gut, der Grillteller, für eine Person wohlgemerkt…
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Gestärkt fuhr ich nach Venedig, um Monika vom Flughafen abzuholen. Die Beiden warteten in der Zwischenzeit in der Marinabar auf das Eintreffen von Bernhard, dem Prüfer. Monika und ich gesellten uns dann auch noch auf einen Absacker zur Runde und wir besprachen grob den Ablauf der am Samstag stattfindenden Segelprüfung.

Am Samstagmorgen legten wir zeitig in der Früh bei Hochwasser ab und fuhren die Dalbenstraße unter Motor hinaus bis in die Lagune, wo wir zum Frühstücken ankerten. Danach folgten Fragen zur Schiffsführung (aktuellen Wetterbericht besorgen und Interpretation der Daten für die geplante Fahrt) und der Creweinweisung inklusive aller Sicherheitseinweisungen. Dann musste Norbert die Motor- und Antriebsanlage erklären und mögliche Störungen beheben…
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Nachdem von den Beiden bis dato alles fachgerecht beantworten wurde, ließ die Nervoisität sichtlich nach. Nun mussten die beiden das Anker auf Manöver vorbereiten unter klarer Anordnung der Kommandos. Jetzt ging es raus aufs offene Meer unter Maschine. Am Ende der Dalbenstraße simulierten wir einen Motordefekt und die Beiden mussten Segel setzen und weiter segeln. Da für die nächsten 24 Stunden wenig Wind angesagt war, nutzten wir gleich den vorherrschenden Südwind mit 8-9 Knoten um die verschiedenen Segelaufgabenstellungen abzuprüfen.

Bestimmten Kurs zum Wind fahren und Kurs halten, Wenden, Halsen, Beidrehen, Beiliegen, Boje über Bord Manöver, etc. Da beide gute Regattasegler sind, war das kein Problem und jeder schaffte die spontan angesagten Manöver immer auf den ersten Versuch.

Danach wurde der Kurs Richtung Ansteuerungstonne Grado abgesetzt und in die Karte eingezeichnet. Es wurde am Weg dorthin auch mehrmals der beobachtete Ort mittels einer Kreuzpeilung ermittelt und in die Karte eingetragen. Es wurde auch per Radar mehrmals der Ort mittels Radarseitenpeilung ermittelt.
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Zwischendurch stellte der Prüfer auch immer wieder weitere Fragen zur Navigation und den KVR wie Kursbestimmung und Kurskontrolle zu einem Ziel (Missweisung, Deviation, Beschickung für Wind, Beschickung für Strom), Arbeiten mit dem Radar, Entfernungsmessungen, Seitenpeilungen, Wasserstand aus Tidenkalender, Gezeitentabelle, Umgang mit der Seekarte, GPS, Kartenplotter, AIS, Handbüchern und sonstigen Navigationsmitteln, Erkennen von Seezeichen und Feuern bei Tag und Nacht, Erkennen von Art und Fahrtrichtung anderer Schiffe bei Nacht, aktive Kommunikation mit dem Wachführer über navigatorische Erkenntnisse, Logbuchführung etc.

Dann mussten die Beiden die Notpinne aktivieren und eine Zeit lang damit steuern und den Kurs halten…
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Am Weg zur Grado-Ansteuerungstonne hatten die Beiden ständig weitere Aufgaben zu erfüllen wie die richtige Bedienung der Segel, Fallen, Leinen, Strecker und Winschen, die richtige und sichere Bedienung von Motor und Ruder, Knoten vorzeigen von Achterknoten, Kreuzknoten, Schotstek, Rundtörn, Webeleinstek, Palstek, Stopperstek, Leinen aufschießen, verstauen, werfen, belegen an Klampen, Kontrolle von Kühlkreislauf, Ölstand, Keilriemenspannung, Stopfbuchse etc.

Auf Höhe der Ansteuerungstonne würde Nebeleinfall simuliert und der Navigator musste dem Steuermann den genauen Magnetkompasskurs mittels Seekarte und unter Zuhilfenahme des Radars berechnen.
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Alles gut gegangen und wir erreichten unter Blindnavitation sicher das Hafenbecken von Grado. Dort wurde vor dem richtigen Anlegen im Stadthafen noch Drehen am Teller geprüft. Jetzt war es aber Zeit für ein Abendessen – die ausgewählte Pizzeria erwies sich leider als nicht so empfehlenswert. Bei Sonnenuntergang legten wir wieder ab und es ging weiter mit der Prüfung…
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Motormanöver wie Anlegen längsseits, mit Eindampfen in die Spring, Ablegen längsseits mit Eindampfen in eine Spring, Anlegen mit Heck zum Land (römisch-katholisch mit gleichzeitigem Ankermanöver, Ablegen mit Heck zum Land standen am Programm. Wieder alle Manöver super geklappt – der Prüfer und wir alle sind begeistert und haben eine super Stimmung an Bord.

Nun geht es im Dunklen wieder hinaus aus Grado, vorbei an der Dalbenstraße und dann zurück Richtung Ansteuerungstonne Lignano. Wir haben wieder Wind und segeln die Strecke retour.
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Auch den richtigen Weg retour fanden Norbert und Stefan. Die Ansteuerung von Lignano bei stockdunkler Nacht war aber eine anspruchsvolle Herausforderung für die Beiden. Schließlich ankerten sie noch souverän in der Lagune, wo wir die restliche Nacht verbrachten.

Nun hatten wir uns ein Anlegebier verdient, und der Prüfer konnte die Prüfung offiziell für beendet erklären. Beide Kandidaten hatten bestanden, und wir feierten noch eine Weile die erfolgreich abgelegte FB 3 Praxisprüfung an Bord der Nambawan…
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Wir gratulieren den beiden Skippern auch nochmals auf diesem Weg und wünschen Ihnen für Ihre Törns immer „Fair winds and following seas“.

Hier nochmals eine Übersicht der Übungsaufgaben zur Erlangung der FB 3 Praxisprüfung:

Motormanöver:

  • Anlegen längsseits, mit oder ohne Eindampfen in eine Spring oder Leine
  • Ablegen längsseits mit Eindampfen in eine Spring
  • Anlegen mit Heck zum Land (mit Anker, Muring oder Dalben)
  • Ablegen mit Heck zum Land (mit Anker, Muring oder Dalben)
  • Ankern mit Buganker
  • Anker auf
  • Drehen auf engem Raum

Segeln und Segelmanöver:

  • Segel setzen und bergen
  • Segel reffen, ausreffen auf am Wind Kurs
  • Segeltrimm
  • Bestimmten Kurs zum Wind fahren und Kurs halten
  • Wenden
  • Halsen
  • Beidrehen
  • Beiliegen
  • Boje über Bord manöver, oder Simulation einer Bergung mit der LifeSling

Navigation und KVR:

  • Beobachteten Ort ermitteln (Kreuzpeilung) und in die Karte eintragen
  • Fehler ermitteln mit GPS
  • Kursbestimmung und Kurskontrolle zu einem Ziel bei Nacht (Mw, Dev., BfW)
  • Radar einschalten, Entfernungsmessung, Seitenpeilung
  • Wasserstand aus Tidenkalender, Gezeitentabelle
  • Umgang mit Seekarte, GPS, Handbüchern und sonstigen Navigationsmitteln
  • Erkennen von Seezeichen und Feuern bei Tag und Nacht
  • Erkennen von Art und Fahrtrichtung anderer Schiffe bei Nacht
  • Aktive Kommunikation mit WF über navigatorische Erkenntnisse
  • Logbuchführung

Praktische Arbeiten an Bord:

  • Richtige Bedienung der Segel, Fallen, Leinen, Strecker und Winschen
  • Richtige und sichere Bedienung von Motor und Ruder
  • Richtige und sichere Bedienung des Ankers und der Ankerwinsch
  • Achterknoten, Kreuzknoten, Schotstek, Rundtörn, Webeleinstek, Palstek, Stopperstek
  • Leinen aufschießen, stauen, werfen, belegen an Klampen
  • Kontrolle von Motor & Antrieb (Kühlkreislauf, Ölstand, Keilriemen, Wellendichtung)

 Schiffsführung:

  • Sorge für aktuellen Wetterbericht u. Interpretation der Daten für geplante Fahrt
  • Beachtung der Verkehrs- und Ausweichregeln
  • Ständige Kommunikation mit Navigator, Rudergänger und Ausguck
  • Richtiges Erreichen der angegebenen Wegpunkte und Ansteuerungen
  • Klare Anordnungen und Kommandos

 Creweinweisung:

  • Sicherheitseinweisung Rettungsmittel und Notsignale
  • Sicherheitseinweisung Verhalten bei Nacht und starkem Seegang
  • Sicherheitseinweisung bei POB, Bergung der verunfallten Person in horizontaler Lage
  • Sicherheitseinweisung zur Vermeidung von Unfällen an Bord
  • Das Absetzen eines Notrufes anhand des Funkgerätes an Bord erklären
  • Motor- und Antriebsanlage erklären, Störungen beheben
  • Elektrische Anlage und Batterien erklären, Störungen beheben
  • Verhalten in Notfällen (Bruch des Riggs, Ruderbruch und Wassereinbruch)
  • Aufgaben des Navigators und Navigationsunterlagen
  • Ankunft in fremden Häfen

Am Sonntagmorgen hieß es nach einem ausgiebigen Frühstück Anker auf und wir fuhren retour in die Marina um die zwei frisch gebackenen Skipper und den Prüfer aussteigen zu lassen. Monika und ich legten danach gleich wieder ab mit dem Ziel Istrien / Umag zum Einklarieren. Der Beginn unseres Ostertörns!

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Markus Silbergasser

Markus Silbergasser

Ich bin leidenschaftlicher Fahrtensegler, Blogger, freiberuflicher Yachtredakteur und Reisefotograf mit über 29.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser. Segle als Ausgleich und Quelle der Inspiration.
Details zu meiner maritimen Ausbildung und Reviererfahrung findet Ihr hier...

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