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Mit wenig Wind von Kroatien nach Korfu

Am Samstagmorgen brachte ich die alte Crew per Dinghy an Land und verabschiedete mich von ihnen. Während die beiden in einem Cafe frühstückten, führte ich bereits den Bordeinkauf für die Weiterfahrt nach Griechenland durch. Danach stand die Bootsreinigung im Innen- und Außenbereich am Programm. Gar nicht ohne, bei um die 35 Grad in der Mittagshitze. Bereits um 17.00 Uhr traf die neue Crew ein, bis dahin musste wieder alles sauber sein. Zuerst kamen Ute und Timo aus Zürich, dann Karin und Walter aus Salzburg. Die vier werden mich nun bis Lefkas die nächsten zwei Wochen begleiten.

Nach dem Beziehen der Kojen und einem erfrischenden Bad in der Ankerbucht Tiha fuhren wir gemeinsam mit dem Dinghy in die Stadt Cavtat Abendessen, wo ich bereits am Vorabend einen Tisch reservierte. Nach guten kroatischen Fleisch- und Fischgerichten gab es als Dessert in einer nahegelegenen Eisdiele noch einen Eisbecher und Espresso. Kaffee machen können die Kroaten ja seit ein paar Jahren schon ganz gut, an der Eisqualität müssen sie aber meiner Meinung nach noch arbeiten.

Sonntag, 20.07.
Zeitig in der früh sind wir aufgestanden und erst mal eine Runde ums Boot geschwommen um richtig munter zu werden. Danach frühstückten wir mit frischem Obstsalat und jeder Menge süßer und pikanter Aufstriche. Nach der Bordeinweisung und dem Check der aktuellen Wetter- und Winddaten steckten wir gemeinsam den Kurs für die nächsten Tage ab. Anschließend klarierten wir in Cavtat offiziell aus Kroatien aus und motorten hinaus aufs offene Meer mit Kurs Korfu in Griechenland.
kurs-richtung-griechenland

So eine glatte See wie am Bild wollen leider nur Motorbootfahrer. Wir nutzten die Zeit mit Kochen an Bord. So gab es zu Mittag gleich mal Cevapcici mit Kartoffelpüree, dazu einen gemischten Salat und jede Menge Ajvar…
cevapcici-kartoffelpueree

Nach dem Essen setzte dann endlich Wind ein, und wir konnten von nun an segeln. Montenegro ließen wir Backbord liegen und segelten mit direktem Kurs von 160 Grad Richtung Griechenland. Hier Timo beim Steuern der Nambawan unter Segeln…oneway-meilentoern-adria

In der Nacht schlief der Wind dann leider wieder gänzlich ein, sodass wir den Motor erneut anwerfen mussten.

Montag, 21.07.
Um etwa 2:30 Uhr wurde ich vom Motoralarm geweckt, als gerade Karin und Walter Wache hatten. Der Motor war überhitzt. Die Ursache war wieder mal der Keilriemen. Komisch, denn den hatte ich erst unlängst in Istrien getauscht und einen originalen Yanmar Ersatz-Keilriemen eingebaut. Unverständlich, wieso der wieder so schnell kaputt ging. Sonst sieht nämlich im Motorraum alles ganz normal aus.

Ich tauschte also diesmal im Dunkeln mit Stirnlampe bewaffnet den Keilriemen auf hoher See. Nachdem der Schwell auf dem offenen Meer ziemlich stark war, versuchte ich, den Vorgang rasch hinter mich zu bringen. Danach warteten wir noch eine Weile, bis sich der Motor ein wenig abgekühlt hatte. In der Zwischenzeit versuchten wir zu segeln. Der Wind war aber einfach zu schwach für den vorherrschenden Schwell und somit motorten wir nach einiger Zeit wieder weiter. Timo und Ute hatten den Zwischenfall in ihrer Freiwache gar nicht mitbekommen, so fest hatten die beiden geschlafen, wobei wir mit geöffnetem Motorraum einige Minuten den Motor unter Marschfahrt laufen ließen. Am nächsten Tag ging es dann immer wieder mal unter Segeln ganz gut dahin. Hier sieht man schon die Küste Albaniens am Bild backbord voraus, wo wir in einer Distanz von etwa 20 Seemeilen zur Küstenlinie vorbei segelten.unter-segeln-auf-hoehe-albanien

Eigentlich wollten wir bis am Abend des zweiten Tages in Griechenland auf der nördlich von Korfu liegenden Insel Erikousa anlanden. Nachdem wir aber leider keinen guten Wind nutzen konnten und daher oft nur mit 2 bis 4 Knoten vorwärts kamen, mussten wir eine weitere Nachtfahrt mit Nachtansteuerung einplanen.

Dienstag, 22.07.
In der Nacht auf Dienstag erreichten wir dann unter Segeln die Insel Erikousa, wo wir in der südlichen Bucht ankerten und danach noch ein gepflegtes Ankerbier im Cockpit genossen bevor wir müde und zufrieden in unsere Kojen fielen.

So schön sah es dann am Vormittag aus, als wir einigermaßen ausgeschlafen einen Rundumblick an Deck machten…ereikoussa-strand
ereikoussa-ankerbucht

Wir genossen den restlichen Tag an Deck in der Sonne und gingen ausgiebig schwimmen und schnorcheln. Am Abend fuhren wir dann alle gemeinsam mit dem Dinghy an Land Abendessen…ereikoussa-beach

Wenig Boote und wenig Gäste befinden sich noch auf der wunderschönen Insel. Hier ein Bild vom Restaurant mit Blick in die Ankerbucht. Die Segelyacht ganz rechts im Bild ist unsere Nambawan…nambawan-vor-anker-auf-ereikoussa

Nach einem guten griechischen Abendessen ging es mit dem Dinghy retour an Bord. Dort nahmen wir noch den einen oder anderen Absacker und genossen den lauen Sommerabend im Cockpit bevor wir uns in die Kojen verzogen.

Mittwoch, 23.07.
Über Nacht frischte der Wind ziemlich auf, sodass wir eine unruhige Nacht vor Anker hatten. Vor allem, da der Wind aus Südwest kam und dadurch unser Ankerplatz nicht mehr geschützt war. Da aber die gesamte Crew seefest war, spielte das keine so große Rolle und der Anker hielt auch bombenfest im Sand. An dem Tag ließ ich wieder mal alle gemütlich ausschlafen und bis wir ablegefertig waren, war es schon 12:30 Uhr. Dann segelten wir bei sichtlich unbeständigem Wetter Richtung Korfu-Stadt…unbestaendiges-wetter-am-weg-nach-korfu

Bis auf Höhe Kassiopi konnten wir allen Gewitterzellen recht gut ausweichen, dann wurden wir und das Schiff aber wieder mal ordentlich mit Süßwasser gereinigt…regelschauer-korfu-nordkueste

Durch die Unwetter und stark drehenden Winde beschlossen wir spontan, in der Bucht Agios Stefanos über Nacht zu bleiben. Diese Entscheidung stellte sich als richtig heraus, da wir an diesem Abend meine bisher besten griechischen Vorspeisenmix serviert bekommen haben. Aber seht selbst, sieht doch köstlich aus, oder?typische-griechische-vorspeisen

Auch der gegrillte Fisch als Hauptspeise schmeckte im Anschluss köstlich…gegrillter-fisch-agios-stefanos

Hier die Adresse der Taverne, die übrigens direkt am Wasser liegt und einen eigenen Dinghy-Steg zum Anlanden hat:
The Greek Taverna
„To Fagopotion“
San Stefano Sinion, Corfu
Tel +30 26630 82020
Mobil +30 6945 107760

Donnerstag, 24.07.
Nach einer sehr ruhigen Nacht in der Ankerbucht von Agios Stefanos lichteten wir um 9:15 Uhr den Anker und motorten Richtung Korfu…agios-stefanos-ankerbucht

Leider war am Weg dorthin wieder mal so viel wie kein Wind. Drei von den insgesamt neun Seemeilen konnten wir trotzdem segeln. Korfu-Stadt unter eigenem Kiel anzulaufen ist für mich immer wieder etwas Besonderes! kerkira-stadt

Wir haben jetzt seit Cavtat in Kroatien genau 240 Seemeilen bis Kofu-Stadt zurückgelegt. Davon leider nur 114 Seemeilen unter Segeln. In der nächsten Woche werden wir versuchen, den Segelanteil wieder zu erhöhen.

Wir legen dann an der NAOK-Marina an der Innenseite der Mole römisch-katholisch an. Harry, der Marinero begrüßt mich herzlich mit meinem Namen, als ob ich erst letzte Woche bei ihm gewesen wäre. Faszinierend, wie gut sich manche Leute Namen merken können!

Nun musste ich mit den gesamten Bootspapieren und Pässen in die Stadt spazieren, um endlich offiziell in Griechenland einzuklarieren.

Den Weg dort hin kannte ich ja schon vom Vorjahr. Das Einklarieren war heuer aber noch mühsamer und zeitaufwändiger, da der zuständige Sachbearbeiter auf unbestimmte Zeit seinen Arbeitsplatz verlassen hatte. Hier ein Bild, wie ein Teil der offiziellen Räumlichkeiten im Einklarierungsbüro von Korfu aussieht…einklarieren-in-korfu

Den Vordruck der auszufüllenden Crewliste konnte ich dann nach mehreren Anläufen doch in einem anderen Büro vorzeitig besorgen. Nachdem der Sachbearbeiter dann nach über einer Stunde wieder aufgetaucht war und meine Papiere kontrolliert und abgestempelt hatte, musste ich weiter zu einer anderen Station in einem ca. 500 Meter entfernten Gebäude. Dort in der Fährstation angekommen, die fast so groß ist wie eine Flughafenhalle musste ich mich erneut durchfragen, wo denn mein zuständiger Beamte zu finden ist. Nach einer Weile des Durchfragens fand ich schließlich den zuständigen Beamten, der mit mir dann quer durchs Gebäude in ein kleines Büro ging und weitere Formulare händisch ausfüllte und mit vielen verschiedenen Stempeln versah. Danach wurde ich wieder zurück ins andere Einklarierungsbüro geschickt. Dort musste ich dann bei einer Stelle 15 EUR Bearbeitungsgebühr bezahlen und mit dem Bezahlbeleg bekam ich meine abgestempelte Crewliste retour. Ein „Dakra“-Dokument war wie letztes Jahr vergriffen und auf meiner Crewliste vermerkt. Ich sollte wieder in allen vorbeikommenden Häfen mein Glück versuchen, etwas Geld auszugeben. Nachdem ich das Dokument letztes Jahr nirgends bekommen habe und auch nie jemand danach fragte, hab ich das heuer gleich so akzeptiert. Nach dem ganzen hin und her hatte ich mir ein Gyros-Pitta und ein kühles Bier am Weg retour verdient…

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Markus Silbergasser

Markus Silbergasser

Ich bin leidenschaftlicher Fahrtensegler, Blogger, freiberuflicher Yachtredakteur und Reisefotograf mit über 29.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser. Segle als Ausgleich und Quelle der Inspiration.
Details zu meiner maritimen Ausbildung und Reviererfahrung findet Ihr hier...

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