Segeln Italien

Pantelleria – die Tochter der Winde

Wir haben Pantelleria schon des Öfteren mit unserer NAMBAWAN besucht, das letzte Mal für eine ganze Woche im August 2019 und sind bei mehrmaligem Umrunden der eher unbekannten Ferieninsel nur einer Hand voll anderen Fahrtenyachten begegnet. Als Nicht-Italiener ist man hier ohnedies so gut wie immer der Exot, obwohl es sogar einen internationalen Flughafen gibt. Der Anflug ist spektakulär, die Landebahn befindet sich auf einer Hochebene inmitten der Berge.

Der Hafen von Pantelleria

Der Hauptort der Insel mit Fährhafen und zwei kleinen Marinabetreibern.

Pantelleria – Porto Vecchio

Näher zum Stadtzentrum, aber dadurch natürlich auch etwas lauter und meist auch mit etwas mehr Schwell liegt man hier im alten Hafen von Pantelleria (Google-Maps). Günstig ist das Anlegen in Pantelleria nicht, ca 70 Euro haben wir ihm Hochsommner 2019 pro Nacht in beiden Häfen gezahlt, aber dafür genießt man auf der gesamten Insel die Ursprünglichkeit weitab des Massentourismus.

Marina Kontaktdaten:
NAUTILUS – Locazione e Noleggio di Imbarcazioni
Salvatore Valenza
Via Firenze, 10
91017 Pantelleria (TP)
Telefon + 39 (0) 338 48 58 918
VHF: Kanal 11
info@nautilusboat.it

Pantelleria – Porto Nuovo

Optisch nicht so reizvoll und etwas weniger zentral gelegen, dafür aber weitaus ruhiger liegt man im neuen Hafen. Es gibt generell nur wenige Plätze für Gastlieger, deshalb sollte man nach Möglichkeit ein paar Tage vor Ankunft telefonisch oder per Funk reservieren, vor allem wenn Starkwind angesagt ist und sich die wenigen Fahrtensegler in den sicheren Hafen verholen wollen. Wir liegen gerne hier (Google-Maps).

Giorgio Armani mit seiner MY Maìn

Der internationale Jetset hat die Insel vor einigen Jahren für sich entdeckt und zu seinem Refugium erkoren. Auch Giorgio Armani hat die Insel in ihren Bann gezogen, er besitzt eine luxuriöse Villa oberhalb des Ortes Gadir und ist auch mit seiner Motoryacht Maìn oftmals gesehener Gast. Wir hatten die Ehre die Maìn am gegenüberliegeneden Steg im Porto Nuovo anlegen zu sehen und waren natürlich unter den wenigen Schaulustigen und Einheimischen, die die einlaufende Crew begrüßten und ein Wiedersehen feierten.

So einen prominenten Liegeplatznachbar hat man nicht alle Tage…

Ankermöglichkeit vor dem Hafen

Wer seine Bordkasse schonen will, kann auch vor dem Hafen kostenfrei ankern (Google-Maps).

Motorroller Verleih

Am Weg ins Zentrum gibt es mehrere Auto- oder Motorrad-Verleihstationen. Entweder man sucht sich selber ein für sich passende oder man lässt sich z.B. vom Marinero einen Vermieter empfehlen…

Scauri, ein kleiner Fischerort an der Westküste Pantellerias

Scauri hat uns auf Anhieb gefallen: ein kleiner, friedvoller Fischerort mit hübschem Hafen, der schon von den Römern benutzt wurde. Der Name des Ortes kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Stopover“.

Wir ankern gerne in Ruhe vor dem kleinen Hafen (Google-Maps), der ohnehin nicht für Yachten unserer Größe ausgelegt ist. Einheimische Jugendliche üben sich in Mutproben und springen übermütig über die steilen Klippen ins Meer.

In den letzten Jahren wurde der Ort auch bei Künstlern und italienischen Individualtouristen beliebt, dementsprechend ansprechend auch die Infrastruktur mit kleinen Cafés, Bars, Restaurants mit gehobener Küche und ein paar Galerien und Ateliers.

Kayà Kayà – Bar del Porto

Die Hafenbar hat es uns angetan und ist der In-Treffpunkt der Region schlechtin. Coole Stimmung beim Sundowner – Jung und Alt tanzen hier unbeschwert ab, besuchen zwischendurch die benachbarten Kunstateliers. Hier wird schon mal auch in den frühen Abendstunden auf den Tischen getanzt, völlig unprätentiös – barfuß, mit meeresnassem Haar, in der Arbeitskluft, oder frisch gestylt und parfümiert vor dem Abendessen. Obwohl wir die einzigen Nicht-Italiener waren, hat uns die Stimmung auf Anhieb mitgerissen und zu dem einen oder anderen Drink verleitet…

Beschwingt von den Ohrwürmern der Bar und dem Sundowner, spazierten wir im Abendrot den zum Teil etwas verwilderten Pfad hinauf zur Ortschaft Scauri…

Trattoria Scauri

Sehr zu empfehlen die Trattoria Scauri – hier wird ausschließlich mit lokalen Zutaten in einem sehr entspannten Abiente gekocht und genossen. Man nimmt sich gerne Zeit für mehrere Gänge und lauscht dem Tratsch der einheimsichen Stammgäste.

Von Scauri geht es bei langsamer Fahrt die Südküste entlang, vorbei an enorm eindrucksvollen Felsformationen und atemberaubender Steilküste, die immer wieder von Höhlen und Grotten durchlöchert ist. Zwischendrin gibt es vereinzelte Zugänge ins Meer über flache Felsformationen und -platten. Sportliche Urlauber wagen sich hier zaghaft ins Meer und Abgehärtete liegen auch stundenlang auf den Felsplatten, in der Regel ohne Schatten und den Komfort einer Liege.

Balata dei Turchi

Balate dei Turchi ist ein beliebter Badeplatz ganz im Süden der Insel (Google-Maps). An schönen Sommertagen tummeln sich hier die sonnenhungrigen Urlauber auf den glatten Steinplatten und genießen das ruhige, kristallklare Wasser.

Weiter geht die Umrundung der Insel, auch hier wieder sehr hohe und steile Felswände, mit kaum Möglichkeiten zum Ankern.

Arco dell’Elefante

Der Elefantenbogen ist so etwas wie das Wahrzeichen Pantellerias und ein Muss für alle Besucher der Insel (Google-Maps). Wir fanden die Felsformation jetzt nicht so außergewöhnlich sehenswert, allerdings ankern wir sehr gerne etwas weiter nördlich in der Cala die Levante.

Cala Levante und Cala Tramontana

Etwas nördlich des steinernen Elefanten gibt es gleich mehrere gute Ankermöglichkeiten. Aber Achtung – man muss mind. 100 Meter von der Küste entfernt den Anker fallen lassen. Das wird von den Behörden ziemlich streng kontrolliert.

Der Inselabschnitt ist gesäumt von vielen schönen Ferienvillen und beheimatet viele kleine, sehr ursprüngliche Bergdörfer.

Auch in der Nachbarbucht Cala di Tramontana lässt sich gut ankern und auch sehr gut essen im Restaurant Le Cale.

Am nächsten Morgen ein ausgedehnter Spaziergang an Land. Wir nutzen die kleine Slipanlage um das Dinghy an Land zu heben, trotz Warnung des „Hausmeisters“, dass es teuer werden kann hier das Boot zu slippen ohne Genehmigung. Er verweist uns auf die Plakette der kleinen Boote der Einheimischen. Sie scheinen heute generell in Aufruhr wegen der „meduse“, von weitem gestikulierend warnen sie schon während wir beim Anlanden einen Fuß ins Wasser streckten. Unserem Empfinden nach etwas übertrieben, am Vortag waren weitaus weniger Quallen unterwegs. Aber ein bisschen Drama in den frühen Morgenstunden gehört scheinbar dazu, während ein älteres Ehepaar sich gegenseitig beim Wasserschöpfen aus einem kleinen Brunnen am Steg für das morgendliche Duschritual hilft.
Le Cale hat leider noch geschlossen somit müssen wir ohne Cappuccino und Cornetto aufs Boot retour. Der Wind frischt auf wie prognostiziert, und wir segeln wieder weiter.

Lago Specchio di Venere

Der Binnensee Specchio die Venere (Spiegel der Venus) ist vulkanischen Ursprungs und vor rund 16.000 Jahren entstanden. Gespeist durch heiße Quellen und bis zu 12 Meter tief, ist er ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen und Einheimische, die auf die Heilkraft des Schlammes schwören.

Ein wenig Überwindung kostet es, sich in diesem Schlamm zu wälzen…

Motorroller Ausflug um die Insel Pantelleria

Die Insel Pantelleria ist so klein, dass man sie per Motorroller gut in einem Tag erkunden kann und dazwischen immer noch Zeit für mehrere kleine Wanderungen bleibt. Interessant und sehenswert haben wir auch die kleinen Bergdörfer entlang einer Inselumrundung empfunden.

Wir genossen die Scooter-Runde um die Insel, hatten um 35 EUR Tagesmiete einen nagelneuen Roller erwischt. So komfortabel ging es bei unseren bisherigen Inselrundfahrten nicht zu, bisher waren wir schlechte Dämpfung, eiernde Räder und lahme Bremsen gewohnt.

Bei der Inselrundfahrt saugen wir die wunderbare Landschaft aus einer anderen Perspektive auf und können die bizarren Felsformationen, die wir vom Boot aus bewundert haben gerade nur erahnen wenn man einen Blick von den schmalen, kurvigen Steilstraßen nach unten aufs Meer riskiert. Die Farbenpracht und Fruchtbarkeit der Vulkaninsel ist selbst im Hochsommer beeindruckend. Überall findet man dammusi, die traditionellen arabischen Vorratshäuser aus dunklem Vulkangestein mit weiß getünchten Kuppeldächern. Viele werden heutzutage stylisch renoviert als Unterkünfte vermietet, ebensoviele sind jedoch vom Verfall bedroht oder mit einem „Vendesi“ Schild versehen. Wir laben uns an den süßen Früchten der unzähligen wilden Brombeersträucher am Wegrand. Die Hitze ist trotz des starken Windes auch beim Scooter Fahren fast unerträglich, wir hätten ruhig noch mehr Wasserflaschen in den „Kofferraum“ unseres Rollers packen können.

Bagno Asciutto Grotta Benikulá

Eine beliebte Natursauna in einer abgelegenen Grotte mit Blick aufs Meer, die über einen Fußweg bei brütender Hitze zu erwandern ist.

Montagna Grande

Der höchste Berg der Insel ist 836 Meter hoch. Eine schöne Wanderung mit atemberaubender Aussicht und angenehm frischem Wind. Die Pfade hatte schon lange niemand benutzt, riesige Spinnennetze stellten sich uns überall in die Quere…

Wie Ihr seht hat Pantelleria sehr viel Abwechslung zu bieten, und die Abgeschiedenheit verleiht der Insel einen ganz besonderen Flair. Wir konnten hier so richtig abschalten, hochwertige Küche genießen und nach vielen Jahren auch mal wieder so richtig unbeschwert abtanzen. Wer Genießen in der Hektik des Alltags verlernt hat, wird hier wieder mit allen Sinnen zu leben lernen, bei exzellentem Essen, gutem Wein, Natur pur und endloser Idylle. Die Nähe zur Afrika ist in allen Facetten spürbar. Wer auf dem Landweg kommt, sollte sich ein altes Citroen Cabrio ausleihen, die sind hier Kult als Fortbewegungsmittel und machen das Urlaubsfeeling perfekt. Gelegentlich, aber eigentlich nur sehr selten, haben wir gemerkt, dass die Italiener gerne unter sich bleiben möchten auf der Insel und ausländische Gäste nicht so sehr willkommen sind, aber bis auf wenige Ausnahmesituationen fühlten wir uns durchwegs freundlich aufgenommen.
Wir kommen auf jeden Fall wieder!

Empfohlene Revierführer und Seekarten für den Segeltörn

Wir haben so ziemlich alle gängigen Hafenhandbücher und Revierführer von dem oben beschriebenen Seegebiet. Folgende Literatur der Region verwenden wir persönlich gerne und können sie Euch auch guten Gewissens weiterempfehlen…

Küstenhandbuch Italien: Ventimiglia – Brindisi, mit Sardinien, Sizilien und Malta* von Rod Heikell

Dieser Revierführer ist das unverzichtbare Standardwerk für jeden Yachtsegler in italienischen Gewässern. Es beschreibt sämtliche Küsten und Inseln Italiens und ist so dem Yachteigner oder Charterskipper ein zuverlässiger Begleiter vor und während des Törns. Genaue Informationen zu sämtlichen Häfen und Ankerplätzen werden ergänzt durch wichtige Informationen zu Formalitäten und Vorschriften, Klima, Wetter, Land und Leuten.

Seekarten* von Imray für die ägadischen Inseln (M35). Für Sizilien und Umgebung gibt es noch folgende Charts M31.

Sizilien Reiseführer* von Thomas Schröder. Wir schätzen die Reise- und Wanderführer vom Michael Müller Verlag sehr – speziell deren individuelle Wandertipps.

Empfohlene Yachtcharter Agentur

Master Yachting* gehört zu den führenden deutschsprachigen Yachtbrokern und bietet weltweit eines der umfangreichsten Yachtcharterangebote für Segelyachten, Katamarane und Motoryachten an. Wir haben früher selbst oft bei Master Yachting unsere Boote gechartert und können Euch daher deren Service wärmstens empfehlen. In mehr als 30 Revieren und in über 20 Ländern der Welt umfasst das Angebot derzeit ca. 9.000 Yachten – von der 24 Fuß Segelyacht bis hin zum 60 Fuß großen Luxuskatamaran mit Crew.
Neben dem klassischen Bareboat-Charter bietet Master Yachting auch Flottillen, Regatten und Crewed-Charter mit Skipper, Koch und Hostess an.

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Markus Silbergasser

Markus Silbergasser

Ich bin leidenschaftlicher Fahrtensegler, Blogger, freiberuflicher Yachtredakteur und Reisefotograf mit über 36.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser. Segle als Ausgleich und Quelle der Inspiration.
Details zu meiner maritimen Ausbildung und Reviererfahrung findet Ihr hier...

2 Comments

  1. Fritz Mayer
    20. November 2020 at 10:07 — Antworten

    Wie immer einfach exzellente Revierdoku.

    • 20. November 2020 at 10:39 — Antworten

      Hallo Fritz, freut uns sehr, dass Dir unsere Reviertipps im Süden Italiens gefallen…

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